Wer heute in der Gebäudetechnik arbeitet, kennt das Gefühl vermutlich: Das Unternehmen, bei dem man vor drei Jahren angefangen hat, heißt auf einmal anders, gehört zu einem Konzern oder steht im Handelsregister mit einer neuen Rechtsform. Zufall ist das keiner. Seit 2023 erlebt die Technische Gebäudeausrüstung eine der stärksten Konsolidierungswellen ihrer Geschichte. Große Konzerne kaufen zu, Finanzinvestoren fügen viele mittelständische Betriebe zu großen Gruppen zusammen. Dieser Beitrag ordnet ein, wer sich gerade wen einverleibt und warum.
Die großen Konzern-Deals
Equans wird französisch, und Kraftanlagen bekommt einen neuen Namen
Der wohl folgenreichste Schritt kam gleich zu Jahresbeginn 2023: Der französische Baukonzern Bouygues übernahm zum 4. Januar die Dienstleistungssparte Equans mit ihren rund 90.000 Beschäftigten in über 20 Ländern. Mit im Paket war ein alter Bekannter der deutschen Anlagenbaubranche. Aus der traditionsreichen Kraftanlagen München wurde die Kraftanlagen Energies & Services, eingegliedert in den Equans-Sektor. Für die Belegschaft hieß das: derselbe Schreibtisch, aber ein neuer Konzern und ein neuer Briefkopf.
Caverion landet bei einem Finanzinvestor
Auch der finnische Gebäudetechnik-Anbieter Caverion, in Deutschland aus der früheren YIT hervorgegangen, wechselte den Eigentümer. 2023 sicherte sich der nordeuropäische Investor Triton rund 94 Prozent der Anteile, mit dem erklärten Ziel, das Service- und Installationsgeschäft schneller wachsen zu lassen.
Apleona: erst selbst übernommen, dann kräftig eingekauft
Die aus den Bilfinger Facility Services hervorgegangene Apleona-Gruppe ging Anfang 2025 an den Finanzinvestor Bain Capital. Zugleich gehört Apleona selbst zu den umtriebigsten Käufern im Markt: In den vergangenen Jahren summierten sich rund vierzehn Übernahmen, darunter die Gegenbauer-Gruppe 2023, die Diehl-Gruppe im Mai 2024 und die SEG-Gruppe im September 2025. Die beiden letzten liefen über die Kölner Tochter Apleona Wolfferts, die damit zum Vollausrüster wird, der die Technische Gebäudeausrüstung von der Planung bis zum Betrieb aus einer Hand anbietet.
Die stillen Aufkäufer im Mittelstand
Neben den großen Konzernen sammeln mehrere Gruppen ganz gezielt mittelständische Fachbetriebe ein, oft mit dem Ziel, aus vielen Spezialisten einen bundesweiten Anbieter zu formen. Am sichtbarsten treibt das der Konzern SPIE voran, der sein Deutschlandgeschäft Zukauf um Zukauf verbreitert. Ein gutes Beispiel ist die 2024 abgeschlossene Übernahme der OTTO Life Science Engineering, die heute als SPIE Life Science Engineering schlüsselfertige Anlagen für die Pharma- und Biotechbranche baut. Ähnlich konsequent wächst Salvia Gebäudetechnik im klassischen Mittelstand: 2023 kamen Kamtec und die construct Planungsgesellschaft hinzu, Anfang 2024 die Wallburg Kältetechnik, und zum Jahresbeginn 2026 wurde aus J. Rehms Gebäudetechnik im westfälischen Borken die Salvia Gebäudetechnik West. Auch die zum tschechischen Energiekonzern ČEZ gehörende Elevion-Gruppe kauft in Deutschland kräftig zu, zuletzt die Gebäudeautomations-Spezialistin HERMOS und das Wärme-Contracting-Geschäft von Techem. Und Dussmann hat seine Anlagenbau-Sparte gebündelt und 2025 zwei Töchter zur neuen Dussmann Elektrotechnik und Automation verschmolzen.
Was das für Fach- und Führungskräfte bedeutet
Diese Entwicklung ist weit mehr als eine Randnotiz für Juristen, denn sie verändert ganz konkret, wie Karrieren in der Gebäudetechnik verlaufen. Zunächst einmal sagt der Firmenname immer weniger darüber aus, für wen man eigentlich arbeitet. Wer bei Kraftanlagen, OTTO LSE oder J. Rehms angefangen hat, steht heute bei Bouygues, SPIE oder Salvia auf der Gehaltsliste, ohne dass sich der Arbeitsalltag am ersten Tag spürbar ändern müsste.
Für viele öffnet das durchaus neue Türen. Wo früher ein inhabergeführter Betrieb war, entstehen auf einmal Konzern-Laufbahnen mit mehr Struktur und internationalen Perspektiven, allerdings meist auch mit mehr Abstimmung und längeren Entscheidungswegen. Und genau die kurzen Wege sind für viele Fachkräfte ein hohes Gut. Wer den Mittelstand gerade wegen seiner Gestaltungsspielräume schätzt, sollte nach einer Übernahme deshalb genau hinschauen, wie viel von der alten Kultur tatsächlich erhalten bleibt.
Für uns als Personalberatung mit Schwerpunkt in der Technischen Gebäudeausrüstung gehört dieses Wissen zum Alltag. Wir verfolgen, wer zu wem gehört, und ordnen für Kandidatinnen und Kandidaten ein, was ein Wechsel oder eben auch das Bleiben konkret bedeutet. Wer wissen möchte, wie sich der eigene Marktwert vor diesem Hintergrund entwickelt, bekommt bei uns in einem vertraulichen Gespräch eine ehrliche Einschätzung.
Quellen
Kraftanlagen Energies & Services: Bouygues completes acquisition of Equans und Umfirmierung der Kraftanlagen-Gruppe.
TGA-Fachplaner: Triton schließt Übernahme von Caverion ab.
immobilienmanager: Bain Capital übernimmt Apleona und Apleona übernimmt die SEG-Gruppe.
SPIE: Erwerb der OTTO Life Science Engineering abgeschlossen.
Salvia Gebäudetechnik: Unternehmensprofil und Zukäufe.
Elevion Group: HERMOS wird Teil der Gruppe.